Räuberhauptmann "Hölzerlips"

Räuber - Wilderer - Vaganten im Odenwald

Von 1802 - 1812 machten sich an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald Räuberbanden bemerkbar.
Über die Spessart Räuber hat man schon allerhand gehört. Aber nicht nur im Spessart waren dunkle Gestalten unterwegs, auch im Odenwald gab es so manchen Gesetzesbrecher. Freilich auch hier allein aus der Not geboren und nicht aus Jux und Tollerei. (siehe Fußnote 1)

Einer dieser Gestalten war der "Hölzerlips". Der richtige Name dieses Anführers einer einst berüchtigten Räuberbande war Georg Philipp Lang. Seinen Spitznamen hatte er durch den Handel mit Hölzern und Waren wie Zunder und dergleichen (Kastenkrämer). (siehe Fußnote 2)


Er zog sich öfter mit seinem Gefolge in das Gebiet des Winterhauchs bei Waldbrunn/Mülben zurück, um Schutz im Felsenhaus zu suchen. Eine aus Sandsteinquadern bestehendes Versteck (Blockmeerstreu).
Seine bekannteste Straftat war der Überfall auf zwei Schweizer Kaufleute in Hemsbach an der Bergstaße am 01.05.1811: Ein Kaufmann verstarb auf dem Transport nach Heidelberg. Daraufhin begann eine Hetzjagd auf die Gesetzlosen in Baden / Hessen / Bayern.

Ins Netz gingen Mäuse und Maulwurf- Fänger, Kesselflicker, Knopfhändler, Scherenschleifer, Taschenspieler, Seiltänzer, Märchenerzähler, Deserteure, Hochstabler, Zigeuner, Wahrsager, Wäscherinnen, und Weibergesindel. Denen man mit tiefen Mistrauen und Vorurteilen begegnete.
Federführend bei der Hetzjagd war der Stadtdirektor Dr. Pfister und Richter Dr. Brill von Heidelberg.
Im Jahre 1812 erfolgte in Heidelberg, die Hinrichtung von vier Räubern durch enthaupten. Dieses Ereignis wurde als Volksfest gefeiert und lockte 30.000 Zuschauer nach Heidelberg. Weitere Hinrichtungen erfolgten in Darmstadt, in Mainz und Würzburg.

Einige der sogenannten Odenwaldräuber. Hintere Reihe in der Mitte "Hölzerlips" mit seiner Beischläferin "Spitzin" und ihr buckliger Sohn.

(Da die Ehen von Gesetzlosen selten kirchlich und/oder nach offiziellen Gesetzen geschlossen wurden, werden die Frauen in den Aufzeichnungen meist als „Beischläferinnen“ oder „Concubinen“ bezeichnet).

31. 07. 2012 ist der 200. Jahrestag des Heidelberger Blutgerichts.

Ausstellung: Kurpfälzisches Museum Heidelberg.

Köpfe der Hingerichteten:
1. Mannefriedrich
2. Hölzerlips
3. Krämer Mathes
4. Veit Krämer

Viele starben in Gefängnissen. Unter anderen der Hainstadter-Peter und der Räuber "Wutt-Wutt- Wutt" im "Hooriche Ranze" (Zuchthaus in Mannheim).

 

 

Hölzerlips

Straßenräubereien:

 

Straßenraub zwischen Hemsbach und Laudenbach

Straßenraub bei Mosbach. No. I

Beraubung des Handelsmann Schlink von Bensheim. No. II

Beraubung der Bauernwagen bei Frankfurt. No. III

Straßenraub beim Bastelshof No. IV

Straßenraub bei Gelnhausen No. VI.

Straßenraub im Königsteiner Walde No. X.

Beraubung enes Fuhrmannskarren auf der neuen Herberge No. XI.

Raub bei Aschaffenburg auf der Spessarter Straße No. XII.

Todschlag des Zahnfranzen Hennerle (Heinrich Delis) No. XXXIV.

Straßenraub bei Dörnigheim No. XXXV.

Straßenraub im Büdinger Walde No. XLIX.

Beraubung zweier Metzger im Königsteiner Walde No. LXI.

Beraubung eines Reuters No. LXII.

Beraubung zweier Juden im Walde bei Hainichen No. CXL.

Einbrüche und Diebstähle

 

Zinndiebstahl zu Berkersheim. No. XVI.

Diebstahl in der Ziegelhütte zu Somborn. No. XX.

Diebstahl zu Oberschönmattenwaag. No. XXI.

Einbruch in das Lagerhaus zu Miltenberg. No. XXXIX.

Zinndiebstahl zu Ostheim. No. XL.

Zinndiebstahl zu Vilbel. No. XLI.

Versuchter Diebstahl zu Niedereschbach. No. XLII.

Zinndiebstahl auf einem Hofe bei Frankfurt. No. XLIV.

Zinndiebstahl zu Preungesheim No. XLV.

Zinndiebstahl zu Burgg äsenroth No. XLVI.

Eisendiebstahl zu Okstadt bei Friedberg. No. L.

Entwendung eines Brandweinkessels zu Sprendlingen. No. LI.

Diebstahl zu Messel. No. LIV.

Diebstahl zu Keuchen, Amts Büdesheim. No. LXXIV.

Einbruch zu Wilhelmsbad bei Hanau. No. LXXXV.

Einbruch zu Hettenheim. No. LXXXVI.

Einbruch zu Mittelgründau. No. CXXVI

Ziegendiebstahl zu Ilbenstatt. No. XCI.

Diebstahl zu Niederroth. No. CXXVII.

 

 

Nach dem Raubüberfall in Hemsbach kam es zu einer grenzüberschreitenden Fahndung in Baden und Hessen, in deren Verlauf der Kern der Bande sowie viele andere Gauner gefangen genommen wurden. Hölzerlips ging der Polizei in Gelnhausen ins Netz.

1. Den im ländlichen Raum dringend benötigte Rohstoff Holz, war in dieser Zeit wegen menschliche Nutzung kaum verfügbar. Hinzu kam eine Jahrzehnte lange Klimaverschlechterung, was katastrophale Mißernten nach sich zog.

2. 15% der erwerbstätigen Bevölkerung verdiente sich als wandernde Vaganten den Lebensunterhalt. Aus dieser heute unvorstellbaren Not erwuchs das Räuber unwesen.

Lied des Mannefriedrich!



Seit dem ersten Mai ist uns bekannt
Der Hemsbacher Raub im badischen Land,
der unser Leben hat verkürzt
und uns in großes Leid gestürzt.

Die Armut, die war freilich schuld,
weil man sie nicht mehr hat geduld´t.
die großen Herrn sind schuld daran,
daß mancher tut, was er sonst nicht getan.

Drum sind wir jetzt, wir arme´ Leut´,
in diesem Fall, der uns gereut,
Sind unser Fünfe arretiert,
nac Heidelberg in Arrest geführt...

Valentin Krämer der Erste war,
der macht´s den Herrn gleich offenbar;
wer diesen Raub und Mord verrich´t
und sagt´s uns anderen ins Gesicht.

Danach wir alle gestanden ein
Durch Kerkerstraf und Kettenpein:
Daß wir gewesen auch dabei
Und daß die Armut schuld dran sei.

Im Oktober ward das Verhör geschlossen.
Viel´ Tränen haben wir vergossen.
Gott, der in alle Herzen sieht,
Der Herrgott, der verläßt uns nicht.

Jetzt wollen wir das Lied beschliesen;
Doch lasse niemand sich´s verdrießen,
Ist wohl vielleicht ein Fehler drein,
Das macht; weil wir nicht studieret sein!

Einige Räuber der Hölzerlipsbande

Georg Phillipp Lang.                vulgo: Hölzerlips

Er fing einen Handel mit Holzwaren an und betrieb diesen eine geraume Zeit. Daher sein Name Hölzerlips. Er war der Anführer der Odenwald-Räuber und verübte mehr als 15 Fälle von Strassenraub und 21 Einbruch- und Diebstahldelikte...

Phillipp Friedrich Schütz      vulgo: Mannefriedrich

Er ist unter allen der Gebildetste, Manierlichste und Klügste. Seine Eltern waren in Frügt als Bauersleute wohnhaft und nährten sich dort zwar ärmlich doch ehrlich.

Veit Krämer                                  vulgo: Veit (gen)

Krämer wurde 1790 zu Ramsthal im Fuldischen geboren und ist ein Sohn von Albert Krämer [vulgo Zunder-Albert], der ihn schon früh in die Diebes-Mysterien einweihte. Schon in seinem 15 bis 16 Lebensjahre wurde er von seinem Vater zu Einbrüchen mitgenommen und teilte mit ihnen die Beute...

Matthias Österlein            vulgo: Krämer Mathes

 

Er wurde 1788 in Sindelfingen geboren. Seine Eltern, welche er schon früher, im Verdruß verlassen hatte, sind nach Rußland gezogen. Er zog anfänglich auf seiner Profession als Maurer umher, bald aber machte er Bekanntschaft mit einer herumziehenden Landkrämerin [angeblich die Tochter eines Würzburgischem Grenadiers] und schloß sich an diese an...

 

 

Sebastian Lutz                                         vulgo: Basti,

Stammte aus Neckargerach und war das Kind rechtschaffener Leute. Eine vornehme Person wollte ihn ein Handwerk lernen lassen, doch sein Vater verließ damals die Gegend des Odenwaldes, in der «Basti» eine Lehre antreten sollte und beharrte darauf, dass er mit ihm ziehen solle...

 

Andreas Petry                              vulgo: Köhler Andres               

Sohn des Peter Petry, alias des schwarzen Peters. Er ist nicht konfirmiert, doch hat sein Vater, in musikalischer Hinsicht, mehr für seine Erziehung getan. Er ließ ihn nämlich verschiedene Instrumente lernen...

 

Jacob Jakobi              vulgo:  Frankfurter Karlsbuben

Der älteste der vier Frankfurter Karlsbuben. Er gehörte, wie diese, zu dem Odenwälder Raubgesindel und wurde im April 1812 zu Heidelberg auf 20 Jahre 5 Monate zum Zuchthause mit Aufbrennung des Zuchthauszeichens auf den Rücken verurteilt...

Balthasar Held , der zweitälteste der vier Franfurter Karlsbuben.

Bernhard  Held und 

Friedrich Held.

 

Stephan Heusner                 vulgo: Langbeiniger Steffen

Er hinterließ eine Frau und 2 Kinder Zu Bad König im Odenwald geboren, ein Brudes des Johann Adam Heusner und wie dieser ein Mitglied der Odenwälder Räubergenossenschaft. Er hat sich im August 1811 im Gefängniss zu Heidelberg erhängt

 

Johannes Bauer            vulgo: Schefflenzer Bub

Ein Mitglied der Räuberbanden an den Ufern des Mains. Er befand sich im Jahr 1811 mit einer Anzahl seiner Genossen in Heidelberg in Untersuchung und wurde im April 1812 zu 42jähriger 1 1/2monatlichen Zuchthausstrafe, mit Aufbrennung des Zuchthauszeichens auf den Rücken verurtheilt....

Hölzerlips "Räuberhaptmann"
Hölzerlips "Räuberhaptmann"

Wie wurde man zum Räuber?

Begriffe wie z.B. Räuberbraut, Räuberhauptmann oder Räuberhöhle sind Überbleibsel aus der damaligen Zeit. Das Räuberleben war schwer zu erlernen. Räuber waren heimatlose Männer, Frauen und Kinder aus der Unterschicht. Wie z.B. Kriegsgeschädigte, verschuldete Bauern, Waisen, Heimatlose, Scherenschleifer, Korbflechter oder Muskanten, die mit ihren ganzen Familien umherzogen, um zu rauben. Die Kinder wurden von klein auf von ihren Eltern als Räuber und Diebe erzogen Für diese Menschen gab es keine Wahl als zu betteln oder als Räuber sich durch zu schlagen. Das Räuberleben war ein Teufelskreis aus dem man nicht mehr heraus kam. Viele Gauner waren keine Räuber aus Vergnügen, sondern aus Not.

                                  .................

 

               

An den Galgen und hängt sie auf.

 

 

 

Wer an den Galgen gehört, kann nicht ersaufen!

   

      

 

 

"Den Schinderhannes kennt jeder"

Im Wald macht sich mit seiner Bande

Schinderhannes von Waffen frei

es wiehert liebestoll der Räuber

bei seiner Räuberbraut im Mai

 

Benzel liest hockend in der Bibel

und merkt nicht wie auf seinen Hut

den spitzen mit der Adlerfeder

ziehlt Jakob Born der Tunichtgut

 

Und Julchen Bläsius beim rülpsen

tut so als ob's ein Schluckauf wär

Hannes entfährt die falsche Note

und Schulz schleppt einen Zuber her

 

Und schreit mit Tränen in den Augen

O  Zuber voller Duft und Wein

wenn heute die Gendarmen kommen

der Maiwein muß getrunken sein

 

Los Mamsell Julie komm und trinke

mit uns hier dieses helle Naß

gemacht aus Moselwein und Kräutern

Bandit im Unterrock dein Glas

 

Die Räuberbraut ist rasch betrunken

will Hannes doch der will nicht mehr.......

 

 

 

Jetzt will ich die Seiten schließen

doch lasse niemand sich´s verdrießen,

Ist wohl vielleicht ein Fehler drein,

Das macht; weil ich nicht studieret sein!

 

Das vor allem bei Kindern beliebte Kartenspiel „Schwarzer Peter“ wurde im 19. Jahrhundert von dem berüchtigten Räuber Johann Peter Petri im Zuchthaus von Bicètre bei Paris erfunden.

 

Auf diese wenig bekannte Tatsache weist der Wiesbadener Autor Ernst Probst in seinem neuen Taschenbuch „Der Schwarze Peter. Ein Räuber im Hunsrück und Odenwald“ hin.

Quellen:

Dieter Preuss Peter Dietrich

Bericht vom poetischen Leben der Vaganten und Wegelagerer

auf dem Winterhauch,

besonders aber vom Aufstieg des Kastenkrämers

Hölzerlips

zum Odenwälder Räuberhauptmann.

 

Michail Krausnick

Beruf: Räuber

Vom Schrecklichen Mannefriedrich

und den Untaten der Hölzerlips- Bande.

 

 

Homepage:

kultplatz.blogspot.com