Münzen, Maße, Flächen und Gewichte.

Münzen:

Wenn man von alter Währung spricht, denkt man an Gulden, Kreuzer und Heller, an Batzen und  Schillinge. Unabhängigen Wert besaß das Geld zu keiner Zeit. Es stieg und fiel mit dem Vertrauen, das man ihm jeweils entgegenbrachte. Deshalb ist es fast unmöglich, die früheren Geldverhältnisse in eine zahlenmäßig genaue Beziehung zur Gegenwart zu bringen. Vergleiche haben immer nur für einen begrenzten Zeitraum Gültigkeit.

 

Von 750 bis 1300 kannte man in Deutschland nur die Pfennigmünze.

 

Aus 1 Pfund Silber (damaliges Gewicht 327,45 Gramm) wurden 240 Münzen dieser Art geprägt. 12 Pfennige gaben einen Schilling (lat. solidus = S). Großbritannien hielt bis 1971 an diesem System fest. 1 Schilling galt dort 12 pence, 20 Schillinge waren 1 Pfund Sterling (= 240 pence).

 

Die goldenen Münzen, die man Gulden nannte, wurden erst seit 1252 in Florenz geprägt. Sie hießen deshalb auch Florentiner (Abkürzung: fl.).

 

Ab 1386 ließen die rheinischen Kurfürsten ua. in Heidelberg ebenfalls Gulden schlagen; zuerst aus Gold, später aus Silber. Nach der Reichsmünzordnung von 1559 wurde der rheinische Goldgulden mit 75 Kreuzern, der silberne Reichsgulden mit 60 Kreuzern bewertet.

 

Der Kreuzer (Abk.: kr oder xr) hatte seinen Namen von dem Doppelkreuz,

das auf ihm zu sehen war. Die kleine anfänglich silberne Münze wurde seit dem 18. Jhd. als Kupfermünze in den Verkehr gebracht.

 

So war es auch mit dem Heller ( Abk.: h); richtiger würde man Häller schreiben, da dieses Geld aus der Münzstätte in Schwäbisch Hall kam.

 

Zwei andere Geldstücke, welche die  rheinischen Kurfürsten eine Zeitlang münzen ließen, waren der Batzen, ein 4-Kreuzer-Stück, und der vom Volk als Weißpfennig bezeichnete Albus (Albus=weiß).

 

1871 führte das Deutsche Reich die Markwährung ein.

 

Das von 1563 an in der Pfalz im Anschluß an die Reichsmünzordnung allgemein übliche Währungssystem war folgendes:

 

  1 Reichtaler (Rth) = 1 fl

 

                                  1fl = 15 Batzen = 60 Kreuzer = 240 Pfennig = 480 Heller

 

                                            1 Batzen =  4 Kreuzer =   16 Pfennig =    32 Heller

 

                                                               1 Kreuzer =    4 Pfennig =       8 Heller

 

                                                                                      1 Pfennig =       2 Heller

 

 

Maße:

Bei den ehedem gebrauchten Maßen war das Durcheinander fast unüberschaubar. Oft wurden in der gleichen Region ganz verschiedene Maße verwendet. Die Klagen darüber, daß besonders für den handelnden Stand daraus viele Unannehmlichkeiten flössen, war weit verbreitet und an der Tagesordnung. In Baden erfolgte die Umstellung 1810 auf die badischen Maße. 1870 wurde in ganz Deutschland das metrische System eingeführt.

 

Alte Längenmaße waren die Elle, der Fuß, der Schuh, die Ruthe.

 

 

      4 Fuß = 100 cm.

    10 Fuß = 250 cm.

    20 Fuß = 500 cm.

  100 Fuß = 25 m.

 

 

Der Schuh gab die normale Fußlänge von der Zehenspitze bis zur Ferse an

ca. 29 cm.

 

Die Ruthe entsprach etwa 10 Schuh ca. 3m.

 

Auf alten Wegweisersteinen findet man die Angabe der Entfernung noch in

Wegstunden und nicht in Kilometer.

Eine Wegstunde entsprach etwa der Entfernung von 4.444 m.

 

 

 

Hohlmaße:   

 

 1Meßlein / Maß     = 1, 5 Liter


 1 Sester = 10 Maß = 15  Liter

1 Malter oder Ohm = 150 Liter

 

Flächen:

Hube:

Name für kleines Gut, ein halber Bauernhof (siehe Hof:). Niederdeutsch Hufe.
Lasshube, Lehenhube, die nach dem Absterben des Besitzers dem Eigentümer hinterlassen wird, sohin auf den Leib verliehen ist.

 

Hof:

Der regelrechte schwäbische Bauernhof sollte nach der "Lex Alamann"

40 Jaucherten haben. Man zerschnitt ihn häufig in Halbe- und Viertelhöfe. Der halbe Hof hieß Hube.

 

Morgen:

1 Morgen entspricht der Fläche, die ein Bauer am Morgen pflügen konnte.

 

 

  - württembergischer Morgen 0,31517 ha.

              - badischer Morgen 0,36 ha.

              - preußischer Morgen 0,25532 ha.

 

Sprachen, Zeichen, Zinken.

 

Rotwelsch:

 

 

Nicht ganz sicher ist die Herkunft dieser Sprache (ca. 13. Jhd.). 

Rotwelsch ist eine Gaunersprache, die von den Zünften der sogenannten unehrlichen Berufe gebraucht wurde. Die Räuber, das fahrende Volk, die Bettler waren in der Lage sich durch diese Gaunersprache, unerkannt miteinander zu verständigen.

 

 

Manische und Jenische

 

Die manische Sprache ist die Sprache der Zigeuner. Sie ist eine eigenständige Sprache.

Das jenische hingegen ist keine eigenständige und einheitliche Sprache, sondern eine Variante des Rotwelsch. Diese Variante war in ganz Europa verbreitetet. (Geheimsprache der Hausierer).

Auch als die Sprache der weißen Ziegeuner bekannt. Der Begriff "weiße Zigeuner" entstand, weil die Jenischen irrtümlich mit den Sinti und Roma in Verbindung gebracht wurden. Tatsächlich sind die Jenischen Nachkommen des fahrendes Volkes, das im 18. und 19. Jahrhundert auf den Handelsstraßen Europas unterwegs war. Heute ist die Sprache vor allem in Westösterreich, in der Schweiz, in Württemberg (Fichtenau) bekannt.

Sinti, Roma und die Jenischen (fahrendes Volk) waren Vogelfrei.

Sie bekamen keine Bildung, durften keinen Grundbesitz haben, wurde man ihnen habhaft so konnte man sie eingesperren, schlagen oder erschlagen.

 

Jenisches Lied (veröffentlicht von Engelbert Wittich)

 

  Schupfte Fisel, schupfte                      Vorsicht Bursche, pass auf

daß di dr Koberer net spannt!              das dich der Wirt nicht sieht!

Dr Koberer hat a Mößle                      der Wirt hat eine Tochter,

dia hauret dof, isch quant isch quant.     die ist ist super und schön.

 

Zinken:

Der Ausdruck Zinken selbst erschien erst im 18. Jahrhundert, und zwar in Zusammensetzungen wie Zinkenplatz (wo sich Diebe treffen), Zinken stechen (Zeichen geben), abzinken (kennzeichnen), Zinkfleppe (Steckbrief) oder abgezinkt sein (erwischt, erkannt worden sein). Das Wort wird vom lateinischen signum (das Zeichen) abgeleitet, aber auch vom althochdeutschen zinko (die Zacke, die Spitze).

Zinken wurden unauffällig an Gebäuden angebracht. Dadurch wurden nachfolgende Gauner informiert.

Es gab Mitteilungszinken, Gaunerzinken, Bettlerzinken, Erkennungszinken, Richtungs- Wegweiserzinken, Jagdzinken (Fehmz. oder Grifflingsz.) und Kennzinken.

 

Schlichnerzinken:

Verräter wurden durch einen Schnitt im Gesicht gekennzeichnet und ausgegrenzt.

 (Das Schimpfwort "Schlitzohr" bringt es auch zum Ausdruck).

Zeichen:

Untereinander verstanden sich die Gauner mit jeder Gestik, Mimik oder  auch mit akustischen Zeichen (z.B. Klopfzeichen mit denen man sich mit den Zellennachbarn verständigte).

Die Stellung der Füsse, Augen, Finger usw. waren Zeichen die der Andere zu deuten wusste. Die Ausbildung zum Räuber machte sich bezahlt.

 

Mordbrennerzeichen:

Mit deren Hilfe informierten sich die Räuber wo und wann z.B. ein Hof überfallen oder brandgeschatzt werden sollte.